Frohe Ostern 2020

“Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!“

Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Und in der Heiligen Schrift steht geschrieben:

 Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. (Joh 20, 20)

Sie freuten sich über die Auferstehung des Herrn und sie freuten sich darüber, daß er ihnen erschienen ist. Sie freuten sich darüber, daß eintraf, was Er versprochen hatte und waren glücklich über die Auferstehung und den Sieg über den Tod.

Liebe Ordensangehörige,  liebe Freunde und Förderer des Ordens,

das Coronavirus mit all seinen Auswirkungen macht sich jeden Tag mehr bemerkbar. Es wird für uns Alle und unsere Gemeinschaft eine der größten Herausforderungen für die nahe Zukunft werden.
Die Folgen sind für uns alle noch nicht absehbar, aber die riesige Dimension wird für unser Miteinander, die Politik und die Wirtschaft immer mehr sichtbar.
Viele Gedanken und Überlegungen beschäftigen uns derzeit. Unser Alltag gerät aus der Bahn. Wir suchen eine Richtung, die uns wieder auf den eingefahrenen Weg bringt.

Aber die vielen Umstellungen im privaten und gesellschaftlichen Bereich machen uns das Leben nicht leicht.

Durch das Coronavirus wird das öffentliche Leben in Deutschland immer weiter eingeschränkt.

Zum Beispiel: Kontaktverbote, Schließung von Einrichtungen, die Einstellung des Schulbetriebes, ein Verbot des Aufenthaltes im öffentlichen Raum, von Veranstaltungen und sonstigen Ansammlungen in Kirchen, Synagogen und Moscheen, Einreiseverbote, Vorratskäufe, usw. … beschäftigen uns täglich.

Keine Gemeindegottesdienste und die Isolation von älteren Menschen.

Diese Maßnahmen sollen uns allen, aber zum Infektionsschutz und zum Schutz besonders gefährdeter Personen (Risikogruppen) dienen.

Am schmerzhaftesten wird die körperliche Trennung von sozialen Beziehungen und Verbindungen empfunden. So erfahre ich es derzeit bei den täglichen Telefonaten mit meinen meist älteren Gemeindemitgliedern. Es gibt eine Grübelei über die große Ungewissheit aller Änderungen und wie lange dieser Zustand noch weitergeht? Dann noch einsame Kar- und Ostertage. Ohne die gewohnten gemeinsame Gottesdienstfeiern. Ohne die uns vertrauten und bekannten Liturgien.

Und die große Frage, wie werden wir als Gesellschaft, aber auch als Einzelne diese Zeit wirtschaftlich und finanziell überstehen?

Und schließlich, wie viele Menschen wird diese weltweite Seuche das Leben kosten?

Die christliche Gemeinschaft fehlt uns. Das alljährlich höchste Fest entfremdet? Seit den Anfängen des Christentums, zu den Christenverfolgungen, nie mehr da gewesen. So höre ich das oft. Ein bedeutender und Besorgnis erregender Zustand, diese CORONAKRISE.

Aber Ostern ist gekommen, Ostern wird sein, auch wenn wir es dieses Jahr nicht in gewohnter Weise feiern. Für mich ist die ÖSTERLICHE BOTSCHAFT wesentlich. In diesem österlichen Auferstehungsglauben habe ich mein Leben orientiert. An Ostern feiern wir Jesus als Sieger über Tod und Leid.

Gerne in diesem Satz zusammengefasst:

“ Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!“ (vgl. 1 Kor 11,23–26 EU)

Dieses “Geheimnis des Glaubens“ ist ein Zuruf in der Messfeier der römisch-katholischen Kirche. Auch mehrere der neuen altkatholischen und lutherischen Gottesdienstordnungen haben sie als mögliches Gestaltungselement übernommen. Dies  ist der Zuruf des Diakons oder (wenn er fehlt) des Priesters (evangelisch: des Liturgen) unmittelbar nach den Wandlungs- bzw. Konsekrationsworten. Die ganze versammelte Gemeinde antwortet darauf: “Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“

Mit Ostern wird in diesem Jahr nicht alles gut sein.

Und doch wird Ostern kommen und wird Ostern sein. Es liegt einfach daran, was wir SELBST (spirituell) daraus machen.

Allein oder mit dem Partner und in der Familie.

So können wir die vielen schönen Momente und hoffnungsvollen Zeichen und sehen, die diese Zeit prägen. Die zum Beispiel uns geschenkte und bewuße Zeit mit der Familie.

Der Sonnenschein, die Natur, die sich frühlingsmäßig zeigt und frohe Laune verbreitet. Endlich mal Zeit für einsame Spaziergänge und eine neue Achtsamkeit im Hören des Vogelgesangs.

So viele Pflanzen, die einfach blühen. Eine neue Hilfsbereitschaft, die entsteht und das Leben erleichtert. Eine neue Solidarität.

Die vielen neuartigen Ideen, Hilfsmittel und Variationen, trotz Kontaktverbot mit Menschen in Verbindung zu bleiben. Auch die vielen Möglichkeiten der Gottesdienst- und Gebetsangebote im Fernsehen, im Internet und im Radio. Denn Ostern kann auch eine Inspiration sein.

Mit diesen Gedanken kann ich die österliche Hoffnung für mich stehen lassen. Am Ende wird alles gut sein. Wenn es nicht gut ist, dann ist es eben noch nicht das Ende.”

Auch in unserer Ordensgeschichte ist zweimal die Rede von österlichen Inspirationen. Blicken wir einmal zurück in die vergangene Zeit.

Angesichts der immer schlechter werdenden Sicherheitslage der Pilger, entwickelte Hugo von Payns vor Ort (= Heiliges Land) den hoffnungsvollen Plan, eine Gemeinschaft von Rittern ins Leben zu rufen, die nach den Regeln eines Mönchordens lebten und zusätzlich sich dem Schutz der Pilger vor feindlichen Übergriffen widmen sollte. Finaler Auslöser dazu soll ein Zwischenfall zu Ostern 1119 gewesen sein, als eine Schar von 700 unbewaffneten Pilgern auf dem Weg von Jerusalem zum Jordan in einen Hinterhalt der gerieten, wobei 300 Pilger getötet und 60 als Sklaven weggeführt wurden.  

Sie nannten sich nun:

“Die Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“,

da ihnen König Balduin Teile der königlichen Residenz, der Al-Aqsa-Moschee am Tempelberg von Jerusalem, als Unterkunft überlassen hatte. Hugo von Payns wurde der erste Großmeister des neuen Ordens. Im Prolog der Ordensregel, die 1129 auf dem Konzil von Troyes, unter Beisein von Bernhard von Clairvaux, bestätigt wurde, wird festgestellt, daß das Konzil “auf Bitten des Meisters Hugo von Payns, unter dessen Führung selbige Ritterschaft durch Fügung des Heiligen Geistes entstand“, zusammengerufen wurde.

Jahre später, an Ostern 1146, begeisterte Bernhard von Clairvaux in einer seiner Predigten auf dem Hoftag von Vézélayden gesamten französischen Adel mit seinen Auslegungen. An diesem Tag wurde die Idee zu einem weiteren Kreuzzug geboren. Auch die iberische Halbinsel hatte nun Anteil an der Kreuzzugsbewegung, da der Papst die Reconquista ebenfalls zu einem Kreuzzug erklärt hatte. So die Ordensgeschichte.

Mit dem Lied nachfolgenden Lied grüßen wir Euch zum Osterfest ganz herzlich und wünschen
Euch und Euren Lieben eine gesegnete Osterzeit!

“Nun sagt es allen Landen
und singt es fern und nah:
Christ brach des Todes Banden,
der Ostertag ist da!

Das Grab hat nicht gehalten
den starken Gottesheld,
nun wird er ewig walten
als Lebensfürst der Welt.

O Herz, was liegst du nieder
in Trauer bang und klein?
Du sollst voll Osterlieder
und voller Sonne sein.”

——————————————————————————————————-
“ Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

 und deine Auferstehung preisen wir,

bis du kommst in Herrlichkeit!“

Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Ostern heißt, das Grab ist leer, der Erlöser erwacht und auferstanden.

Ostern heißt, das Grab ist leer, der Erlöser erwacht und auferstanden.

Die größte Freude der Christenheit ! Wahrhaft froh machende Ostern wünschen Euch:

+ Fra. Jürgen Boulanger, Diakon Bailli Süd /Südwest OMCTH, Präzeptor des Ordens

image_pdfPDF öffnen
Frohe Ostern 2020